
Magdalena
hatte gesagt, dass das sicher Liebe sei, und ich hatte gesagt,
dass ich glauben würde, dass es doch eher mit Bier zu tun
hätte. Und Magdalena hatte geweint, und ich hatte noch ein Bier
getrunken, dann hatten wir geheiratet.
Wir haben
eine Wohnung bezogen, in der Magdalena alles schön gemacht
hatte, und ich einen kleinen Verschlag bekam, den ich mir
bierfarben angestrichen hatte. Anschließend hatten wir darauf
gewartet, glücklich zu werden. Magdalena in der Wohnung und ich
in meinem Verschlag. Und manchmal war sie zu mir gekommen, um mit
mir darüber zu streiten, was das eigentlich war, Glück, ob es
mit mir oder mit Bier zu tun hätte. Wir waren unterschiedlicher
Meinung darüber, und Magdalena hatte viel geweint, ich viel
getrunken.
Ich hatte ihr
dann einen Hund gekauft, mir ein weiteres Fass Bier, und es war
der erste Tag, an dem wir nicht miteinander stritten. Magdalena
spielte im Flur mit dem Hündchen, ich saß im Türrahmen mit dem
Fässchen, sah beiden dabei zu, wie sie sich gegenseitig
ableckten. Die Zunge des Hundes war groß. So groß wie
Magdalenas Kopf, und ich genoss die Momente, in denen sie ganz
dahinter verschwand, ich das Gefühl hatte, allein zu sein.
Am Tag darauf
begann dann das Streiten wieder. Glück hätte ja wohl nichts mit
Hunden zu tun, sagte Magdalena. Mit dir aber auch nichts,
entgegnete ich, und wieder weinte sie, und ich trank, und der
Hund leckte ihre Tränen auf, bekam eine Krankheit davon und
starb. Noch nachts vergrub ich ihn unter Magdalenas Bett. Schrie
anschließend, dass sie endlich aufhören solle zu weinen,
schließlich hätte das ja alles nichts mit Glück zu tun, oder?!
Stimmt, sagte sie und stritt stattdessen lieber wieder mit mir.
So ging es
Jahre. Glaube ich. Ich wurde auf eine Art weiser vom Bier. Eine
Art, die sich nicht beschreiben lässt. Ruhiger. Dachte viel nach
und so. Manchmal so viel, dass ich davon am Tag einschlief und
auf dem Boden wieder zu mir kam. Oft war Magdalena fort, wenn ich
erwachte. Meist um Gegenstände zu kaufen, von denen sie meinte,
dass sie mit unserem Glück zusammen hängen würden.
Elektronische Haushaltshilfen zum Beispiel. Ehehygieneartikel.
Autos, Pferde. Gestern hatte sie ein Kind aus Äthiopien
mitgebracht, das von Mortadella erbrach. Ich wurde von seinem
Geräusch wach und wankte in die Küche, wo ich Magdalena sah,
wie sie das verschüchterte, schwarze Kind fütterte. Wer das
sein solle, brüllte ich, ein Witz vielleicht?!
»Der Peter«,
entgegnete Magdalena.
»Hallihallöchen«,
sagte ich zu Peter und schlug ihm auf den kleinen Rücken.
Verschwand dann wieder in meinen Verschlag. Trank Bier und so, um
mir das alles erklären zu können. Schlief kurz darauf wieder
ein.
So ist es
weiter gegangen. Wann immer ich meine Augen öffne, hat sich
unsere Welt ein Stückchen verändert. Und Magdalena sagt, jetzt
würde es nicht mehr lange dauern, das könne sie spüren, bald
schon, bald wären wir glücklich. Und sie hat noch mehr Kinder
geholt. Schwarze Kinder mit deutschen Namen und Spielzimmer
symmetrisch um meinen Bierverschlag angeordnet. Und ich wollte
sagen, dass es so ja nun nicht ginge. Dass ich da ja wohl auch
noch ein Wörtchen mitzureden hätte! Und was eigentlich mal mit
Bier sei?! Oder einem kleinen Schnapsstübchen im Herzen des
Appartements?! Doch dann spürte ich bereits, wie neues
Bierwissen meinen Kopf flutete und so altes Wissen ertränkte.
Meine Beine, oder wies heißt, unter dem Gewicht des Biers
nachgaben. Ich zu Boden sackte. Und dann. Dann war es auch schon
wieder dunkel. Und ich konnte nur noch das Bier hören, das
meinen Kopf durchspülte. Die Erinnerung fortschwemmte. Zeit mit
sich nahm und statt dessen ein Rauschen in mir hinterließ. Und
so.
Als ich dann
das nächste Mal wieder zu mir kam, befand ich mich auf einem
steinigen Acker. Nackt. Allein. Abgesehen von ein paar Raben, die
mit meinem Haar spielten. Aus meinem Körper Dinge stibitzten,
die ich nicht brauchte. Was ich brauchte, war der Mund. Die
Leber. Und Bier. Denn hätt ich Bier gehabt. Hätt
ich diese Situation vielleicht erklären können. Denn Bier
stiftet Zusammenhänge. Aber so. So muss ich ehrlich sagen. Habe
ich nicht die geringste Ahnung. Was eigentlich passiert ist.
Wirklich nicht.