SVEN AMTSBERG

AUTOR UND MODERATOR UND SO

»Mein größter Wunsch: Schreiben wie Karl May und aussehen wie Winnetou. Oder umgekehrt.«

Fotograf: Thomas Panzau/altonale  

TERMINE

16. DEZEMBER 2021 NEUER TERMIN: 24. MÄRZ 2022

SVEN AMTSBERG   

ICH UND MEINE BRITNEY SPEARS

Literatur-Entertainment






Liebe Corona-Freunde, aufgrund der derzeit doch sehr hohen Corona-Infektionszahlen, haben Britney und ich uns dazu entschlossen die Veranstaltung zu verschieben. Und zwar auf den 24. März 2022. Wir hoffen, dass es dann wieder möglich ist, Bier aus den Mundhöhlen Fremder zu trinken, sowie feucht und laut auf den Schultern nackter Unbekannter Texte von Britney Spears zu skandieren. Wird was. Und bereits gekaufte Tickets behalten natürlich ihre Gültigkeit. Bis denny, Svenny. 



In den meisten von uns steckt mehr Britney Spears als uns eigentlich lieb ist. Wer von uns hat nicht das Gefühl zwar massiv mit Schönheit gesegnet zu sein, dabei aber doch völlig fremd bestimmt leben zu müssen – tolle Beine, aber Vati sagt immer noch, wo es langgeht. Wer hat nicht schon mal den falschen Partner gewählt, weil er sich von dessen schönen, weißen Beinen hat blenden lassen. Wer fühlte sich nicht in der Kindheit von Mickey Maus gegängelt und muss immer noch nachholen, was Vati und Mutti verpasst haben? Eben.


Britney Spears hat all das für uns öffentlich durchlebt. Hat ihre Kindheit, die Haare und noch so viel mehr geopfert. Und für wen? Für uns. Britney hat für uns gelitten, damit wir leben können. Britney hat sich nun von der Fessel Papa befreit und steht kurz davor einen neuen Tänzer zu heiraten.  Nun ja.


An diesem Abend wollen wir etwas zurückgeben. Wir wollen unsere Britney aus der Höhle unseres Ichs locken – mit Literatur über britneyeske Unglaublichkeiten, tanzartigem Bewegen bzw. Fallen, sowie spirituell aufgeheizten Interationen. Dazu wird es Psychotests wie etwa »Wie Britney bist du denn, bittney« geben, sowie angenehm unangenehme Selbsterfahrungsexperimente nach Freud und Amtsberg. 


Im Anschluss an die Veranstaltung soll es in einem Spears-Rutenlauf um die Alster bis nach Amerika gehen, wo wir Britney dann retten wollen – vor den Tänzern und den anderen schönbeinigen Gefahren dieser Welt.


 Im besten Falle nehmen wir sie erst einmal mit zu uns nach Pinneberg, um sie vor weiteren Fehlern zu bewahren. Jeder sollte schon mal eine kleine Ecke für Britney in seinem Heim vorbereiten. Bitte nichts im Keller. Nichts mit Zug. 


Tickets an der Abendkasse 14 €, im Vorverkauf 10 € (über tickets.de)

 



20:00 NACHTASYL (THALIA-THEATER), HAMBURG


VERSCHOBEN!


AB 2022

DIE WAHRHEIT ÜBER…

Stadtführungs-Entertainment






08. JUNI 2022

SCHISCHIBOAT


19:00 FRAU HEDIS TANZKAFFEE


VIDEOS


DIE WAHRHEIT ÜBER MICH UND STEFAN KRETZSCHMAR

Comedy-Roast-Show Vol. III


»Stefan. Mensch, Stefan. Ich weiß, du wirst dich nicht mehr an mich erinnern. Früher sah ich anders aus. Genau wie du. Wir waren ganz schön fett. Die Haare trugen wir in dicken Bauernzöpfen, wie es damals Mode war. Dazu viel Nicki, Frottee und Asbest.

Wir waren im Grunde immer wie Brüder, Zwillinge. Selbst deine Eltern haben uns oft nicht auseinanderhalten können. Einmal bin ich sogar statt deiner mit in den Urlaub gefahren…« 


SHOW »ARBEIT IST TRUMPF«

ABM-Entertainment


Früher ließen sich mit Musik und Literatur noch Millionen verdienen. Doch spätestens seit Abschaffung des Urheberrechts müssen auch Künstler richtig arbeiten gehen. Mit diesem Format haben wir Größen aus der Showbranche den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Diese Show fand unter anderem in einer Arztpraxis, dem Schallplattenladen Freiheit & Roosen, sowie einer Cruising-Bar statt. Zu Gast waren u.a. Jasmin Ramadan, Richard von der Schulenburg und Justin Balk. Musikalisch unterstützt wurde die Show von Siebeth und dessen Kassettenrekorder.

BÜCHER



SUPERBUHEI

ROMAN







Hinter dem Tresen hängt ein großes Porträtfoto von Klaus Meine. Es laufen ausschließlich Songs der Scorpions. Zwölf Stunden lang. Jeden Tag wieder. Ich bin froh über jede neue Platte, die sie herausbringen. Gerade über das Comeblack Album, auf dem sich zusätzlich zu Neueinspielungen alter Titel auch Cover-Songs befinden. Das sorgt wenigstens für etwas Abwechslung. Das alles ist Teil eines ausgeklügelten Konzepts, das ich mir in meiner Anfangseuphorie überlegt habe. Klaus Meine – das sollte der intellektuelle Überbau fürs schnöde Saufen sein. Zusätzlich hatte ich den Getränken Namen wie »Gin Of Change« oder aber »Grog You Like A Hurricane« gegeben. Irgendwie habe ich gehofft, der Name Klaus Meine würde diesem Laden zu ein wenig Glamour verhelfen… 



PARANORMALE PHÄNOMENE

FAST WAHRE GESCHICHTEN


Mit Illustrationen von Kat Menschik





Rahlstedt, dachte ich immer, und dann würde das Leben losgehen. Nena lebt in Rahlstedt, hatte meine Frau gesagt, als ich sie fragte, warum wir nach Rahlstedt ziehen sollten. Ausgerechnet Rahlstedt. Das Haus war günstig gewesen. Der Garten so groß, dass die Kinder darin spielen konnte, ohne dass man sie vom Haus aus noch sah. Es grenzte an die Bahnstrecke, die kaum befahren war. Manchmal bekam man hier das Gefühl, Hamburg würde Rahlstedt vergessen. Absichtlich. Und einmal im Jahr fuhren wir Rahlstedter in die Hamburger Innenstadt und protestierten. Für Rahlstedt. Gegen das Vergessen. Mit Bettlaken, auf denen Rahlstedt stand. Trillerpfeifen und Schirmmützen… 



111 GRÜNDE, DEN FC ST. PAULI ZU LIEBEN

EINE LIEBESERKLÄRUNG AN DEN GROSSARTIGSTEN VEREIN DER WELT





Untersuchungen haben ergeben, dass im Grunde die meisten Menschen den FC St. Pauli lieben. Nur viele wissen es noch nicht oder verheimlichen es vor sich selbst aus Angst vor den Reaktionen von Familie, Kollegen und Gesellschaft. Denn noch immer wird die Liebe zum FC St. Pauli nicht überall toleriert, und Anhänger werden als Zecken beschimpft. Der soziale Druck ist hoch.


Viele unterdrücken ihre Liebe und versuchen, eine Lüge zu leben – manche sogar ihr Leben lang. Es ist ein enormer Leidensdruck, der so entsteht und an dessen Ende nicht selten Depression oder Suizid steht. Viele verstellen sich und ziehen jedes Wochenende in Stadien zu Vereinen, die sie nicht wirklich lieben. Verhüllen sich mit Trikots und Schals, um unter diesem Schutzpanzer ihre wahre Gesinnung zu verbergen. Sie verdrängen ihre Gefühle, bis sie dem Druck irgendwann nicht mehr standhalten können und zusammenbrechen…



DIE WAHRHEIT ÜBER DEUTSCHLAND

STÄDTETOUREN FÜR BESSERWISSER







Der Hanseat, dieser mundfaule Sympath, verstand es schon früh, seine gute Laune dadurch auszudrücken, indem er Menschen in seiner Umgebung sich ausziehen ließ. 

Das waren die Anfänge des Nacktgeschäfts, das auf der Reeperbahn perfektioniert wurde und noch immer die Grundsäule der Hansestadt bildet. Auf der Reeperbahn fing alles an. Hier entstand das Neonlicht, hier entdeckte man beim Graben das Bier und auf der Reeperbahn begannen die ersten Shows, dessen einziges Konzept die Nacktheit Fremder war. 


Wie es so ist mit der Nacktheit, irgendwann hat man alles gesehen, und ein Nackter lockte nur noch wenige verklemmte Touristen an, die mal ein Foto von sich mit einem echten Nackten machen wollten. Sollte daraus ein Geschäft werden, musste man sich was anderes einfalle lassen. 

Das Herumziehen eines Nackten im Kreis, war eine Innovation, die nur kurz für frischen Wind in der Nacktbranche sorgte. Schließlich vermietete man Nackte, so dass man sich diese mal in aller Ruhe ansehen konnte. Gegen einen Aufpreis durfte man auch mal ein paar nackte Stellen anfassen. 

Das Geschäfte boomte, immer mehr Menschen kamen aus der ganzen Welt hierher, um sich die Nackten anzusehen oder selbst als Nackter zu arbeiten, da die Ausbildung zum Nackten meist nur wenige Tage in Anspruch nahm…



DAS MÄDCHENBUCH

KURZGESCHICHTEN







Es juckt. Ihre Katze macht mir Allergien. Aber das akzeptiert sie nicht. Ich muss ständig die Katze anfassen. Sonst macht sie Schluss, sagt sie. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalten kann. Meine Haut ist rot. Sie schuppt. Sie juckt. Meine Augen tränen. Sie sind geschwollen. Gerötet. 

Ich habe oft versucht mit ihr darüber zu reden. Ihr zu sagen, dass ich ihre Katze nicht berühren kann. Auch wenn ich sie mag. Sie und ihre Katze. Aber sie sagt, uns gibt es nur im Doppelpack. Danach lacht sie so komisch, dass ich Angst bekomme, und sagt, los, fass die Katze an. Sonst mach ich Schluss.

Was soll ich schon tun. Ich will nicht, dass sie Schluss macht. Ich streichel die Katze. Etwas später geht es dann auch schon los. Meine Haut wir rot. Meine Augen feucht. Und ich kratze und kratze und kratze. Bekomme Striemen davon. Narben. Es blutet… 




103

KURZGESCHICHTEN







Jeanny ist noch oben in meinem Zimmer. Ich bin im Treppenhaus. Es ist dunkel. Sie denkt, daß ich nur kurz Zigaretten holen gehe. Aber das stimmt nicht. Ich rauche gar nicht. Jeanny ist ziemlich naiv. Sie glaubt mir fast alles. 

Draußen ist es kühl. Ich friere. Ich habe keine Sachen mitgenommen. Es wäre zu auffällig gewesen. Selbst Jeanny hätte was bemerkt. Oder? Naja, vielleicht auch nicht. Ich gehe zum Bahnhof und nehme den ersten Zug, der fährt. Der Schaffner knipst das Ticket ab, wünscht mir eine angenehme Reise. Ich bedanke mich. Lehne mich zurück in den gepolsterten Sitz. Denke an Jeanny in meinem Zimmer. Wie sie noch an dem gedeckten Tisch sitzt und auf mich wartet. Der Fisch darauf. Jeanny, die gefragt hat, ob der Fisch noch lebt. Weil er noch so naß aussieht. Wie gerade aus dem Teich.  

Ein paar Tage später entdecke ich ein Foto von mir in der Zeitung. Ich werde vermisst. Es ist die Porträtaufnahme, die ich Jeanny zum Geburtstag geschenkt habe. Ich habe sie aus einer Zeitschrift ausgeschnitten. Das auf dem Foto bin nicht ich. Es ist irgendein Japaner, der mir ähnlich sieht. Ich glaube ein Politiker oder ein Künstler. Jeanny hat es nicht bemerkt und sich sehr gefreut. Das Foto erscheint noch ein weiteres Mal in der Zeitung. Diesmal etwas kleiner. Sogar bis in die Tagesschau schaffe ich es. Dann hört der Medienrummel erstmal auf. Ich gelte weiterhin als vermißt. Nach einem Vierteljahr sehe ich mich noch einmal in Aktenzeichen XY. Ein schlechter Laienschauspieler spielt mich. Er sieht mir nicht besonders ähnlich. Jeanny spielt sich selbst… 

Fotograf: Thomas Panzau/altonale  

TEXTE


RAKETE SCHMIDT






Er wolle einfach nicht begraben werden wie jemand Gewöhnliches, sondern wenigstens im Tod, der ja aller Wahrscheinlichkeit nach für immer wäre, wolle er wirken, als habe er etwas erreicht im Leben. Alle sollen denken, Hans-Jürgen Schmidt, das war bestimmt ein ganz, ganz großer. Ein Dichter, ein Maler, jemand, den die Leute liebten. Ich müsse immer frische Blumen auf das Grab schmeißen, und ob ich nicht, zumindest ab und an, Freunde bitten könne, an seinem Grab zu weinen. Im Notfall auch für Geld. Trauerperser sozusagen, er lachte nicht, er meinte das ernst. 


MUTTER UND ARNO SCHMIDT






Doch dann war Arno Schmidt gegenüber eingezogen, und meine Mutter war wie besessen. Fast jede Nacht war sie wach und sah nach drüben. War Arno Schmidt fort, war sie in dessen Garten und schnitt Äste vom Baum, die sie dann in unser Wohnzimmer hängte wie Trophäen. "Ast 1 von Arno Schmidt" schrieb sie darunter, "Ast 2". Ständig war sie drüben und brachte etwas von Arno Schmidt mit, unreife Erdbeeren aus dessen Garten, Mutterboden, mit dem sie sich abrieb oder ihn ins Badewasser gab und es genoss vom Mutterboden von Arno Schmidt besudelt zu werden. Manchmal brachte sie Müll mit: etwa das vernietete Ende einer Igelbauchfarbenen Leberwursthülle, deren Inhalt Schmidt gegessen hatte, die Verpackung eines seiner Unterhemden, Fußnagelabschnitte, Hornhautspäne. 


POLNISCHE AUSSERIRDISCHE

(AUSZUG AUS »PARANORMALE PHÄNOMENE«)





Meine Frau sieht ständig irgendwo Außer-irdische. Sie legt es auch darauf an. Oft steht sie am Fenster, tarnt sich so gut es geht, ist Stehlampe, Vogelbauer, Brokat-Gardine. Entdeckt sie dann unten auf der Straße einen Außerirdischen, so ruft sie aus Leibeskräften nach mir. Macht anschließend unzählige Fotografien von dem scheinbar Außerirdischen, um durch die Fotos eine Art Gegengewicht in der Realität zu schaffen, mit dem sie sich beruhigt. Jedes Mal wieder laufe ich hektisch zu ihr. Mehr aus Angst um meine Frau als aus Neugier. Ihr Gesicht ist fleckig. Sie droht zu hyperventilieren, und nicht nur einmal musste ich sie aus einer Supermarkttüte Normalität atmen lassen.


SUPERBUHEI

(ROMANAUSZUG)





Meine Kneipe, das Klaus Meine, ist nicht viel mehr als ein schmaler Anbau, den man vor ein paar Jahren nachträglich an den Supermarkt gebaut hat, ohne dass heute noch jemand sagen kann, warum eigentlich. Auch nach all den Jahren seines Bestehens wirkt er noch immer wie ein Fremdkörper. Eine Art längliche, gläserne Warze, die ein kleines Stück aus dem Supermarkt herausragt. Das Klaus Meine ist eng. Im Grunde gibt es nur den Tresen, vor dem acht Barhocker stehen, an denen man sich gerade so vorbeizwängen kann, will man zu den Toiletten, die sich im Inneren des Supermarkts gegenüber dem Kassenbereich befinden. Es gibt oft Ärger mit der Geschäftsleitung, die sich beschwert, wenn die Betrunkenen zwischen den einkaufenden Familien umherwanken. Gerade an Samstagen, wenn im Supermarkt Hochbetrieb herrscht.


DER SCHWEISS IST DIE TRÄNE DES MANNES

(ROMANAUSZUG)




Mallorca ist schön. Richtig, richtig schön ist Mallorca. Wunderschön. Wunderwunderschön. Wenn man betrunken ist. Aber betrunken ist Mallorca schön. Richtig, richtig schön ist Mallorca dann. Und kein Wunder, dass fast jeder, der auf Mallorca schon mal betrunken war, anschließend davon träumt, auf Mallorca zu leben. Zu leben auf Mallorca ist wie betrunken für immer. Und betrunken ist Mallorca schön. Richtig, richtig schön ist es. 


BRIGITTE UND DIE EINSAMEN MÄNNER






Auch deshalb hatte sie sich für diesen VHS Kurs angemeldet – »Töpfern mit einsamen Männern.« Sie war aufgeregt an diesem Abend. Männer, dachte sie. Der ganze Raum roch nach ihnen. Nach Mann und Ton und Damm, und Brigitte musste sich kurz an einen der Tische klammern, um nicht den Halt zu verlieren. Ihr war schwindelig von dem Geruch der einsamen Männer.


PRESSEFOTOS